Solidarität in Aktion: 12 Beispiele dafür, wie Ihre Unterstützung im Jahr 2024 etwas bewirkt hat

Im Jahr 2024 haben die Förderpartner von GiveOut – oft trotz aller Widrigkeiten – bedeutende Fortschritte bei der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte von LGBTQI-Personen erzielt. Dies geschah vor dem Hintergrund erheblicher Herausforderungen, darunter der Abbau von Rechten in einigen Bereichen, Veränderungen bei der Finanzierung sowie gut koordinierte Anti-LGBTQI-Bewegungen, die die dringende Notwendigkeit von Solidarität und Handeln unterstreichen.

 Wenn wir auf das vergangene Jahr zurückblicken, sind wir ungemein stolz auf den transformativen Einfluss unserer Partner und Ihnen – unseren Unterstützern – zutiefst dankbar dafür, dass Sie mit Ihren Spenden diese wichtige Arbeit vorantreiben. 

Hier sind 12 Beispiele dafür, wie Ihre großzügige Unterstützung im Jahr 2024 etwas bewirkt hat:

1. Die in der Tschechischen Republik geltende Vorschrift, wonach Transpersonen sich einer Zwangssterilisation unterziehen müssen, um ihr Geschlecht rechtlich ändern zu können, wurde für verfassungswidrig erklärt

In der Tschechischen Republik wurde in einem bahnbrechenden Rechtsstreit, der von Trans*parent unterstützt wurde, die Verpflichtung zur Sterilisation als Voraussetzung für die rechtliche Anerkennung des Geschlechts von Transgender-Personen angefochten. Nach einem langen Rechtsstreit wurde diese Verpflichtung im Jahr 2024 schließlich vom tschechischen Verfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, da sie gegen die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Selbstbestimmung verstoße.  Die Entscheidung des Gerichts stellte einen bedeutenden Meilenstein für die Rechte von Transgender-Personen dar und zwang die Regierung dazu, das Gesetz bis 2025 zu überarbeiten. Dieses wegweisende Urteil war Teil umfassenderer Bemühungen zur Förderung der Rechte von Transgender-Personen, die durch Aufklärungskampagnen und Initiativen zur psychosozialen Unterstützung der Trans-Community unterstützt wurden.

2. Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen in Nepal

Mayako Pahichan setzt sich in Nepal für die Gleichstellung von LGBTQI-Paaren in der Ehe ein. Die Organisation trug maßgeblich dazu bei, dass der Oberste Gerichtshof 2023 die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen anordnete, und half dabei, Hindernisse wie die anfängliche Ablehnung der Ehe der Transfrau Maya Gurung und ihres Partners Surendra Pandey zu überwinden, die schließlich das erste gesetzlich anerkannte gleichgeschlechtliche Ehepaar in Nepal wurden. Dank der Bemühungen von Mayako Pahichan wies das Innenministerium die lokalen Behörden an, gleichgeschlechtliche Ehen zu registrieren; bis heute wurden sieben Ehen registriert. Mayako Pahichan setzt sich weiterhin für eine dauerhafte rechtliche Anerkennung und gleiche Rechte für LGBTQI-Paare ein.

3. Die Durchsetzung der Ehegleichheit in Thailand

Thailand ist das erste südostasiatische Land, das die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert hat, nachdem der König das Gesetz zur Ehegleichheit unterzeichnet hatte. Der ASEAN SOGIE Caucus, der LGBTQI-Bewegungen in der gesamten Region, darunter auch in Thailand, stärkt, bezeichnete dies als einen wichtigen Meilenstein. Das Gesetz, das im Januar 2025 in Kraft treten soll, gewährt gleichgeschlechtlichen Paaren gleiche Rechte in Bereichen wie Erbschaft, Gesundheitsversorgung und Besteuerung und stellt damit einen bedeutenden Sieg für die LGBTQI-Rechte in Thailand dar.

4. Die Entkriminalisierung von Homosexualität durch die Gerichte in Mauritius und Namibia

Mauritius und Namibia haben mit der Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen historische Schritte für die LGBTQI-Rechte unternommen. Die „Other Foundation“ spielte dabei eine entscheidende Rolle und leistete lokalen Aktivisten, die sich gegen die diskriminierenden Gesetze einsetzten, finanzielle und strategische Unterstützung. In Namibia unterstützte die Stiftung Friedel Dausabs Kampf gegen das aus der Kolonialzeit stammende Sodomiegesetz. Sein Mut sowie weitere lokale Bemühungen haben die öffentliche Meinung verändert und zu diesem Erfolg geführt. Und in Botswana bestätigte der High Court sein Urteil aus dem Jahr 2019, mit dem gleichgeschlechtliche Beziehungen entkriminalisiert wurden. Die „Other Foundation“ leistete entscheidende Unterstützung für Aktivisten und lokale Organisationen, die sich für diesen Fall einsetzten.

5. Förderung der Rechte von Trans-Personen in Indien gemeinsam mit CLPR und SAATHII

In Indien erzielen unsere Förderpartner bedeutende Fortschritte bei der Förderung der Rechte von Transgender-Personen. Das Centre for Law and Policy Research (CLPR) treibt den Fortschritt durch strategische Klagen im öffentlichen Interesse voran und setzt sich erfolgreich für horizontale Quotenregelungen ein, um sicherzustellen, dass Transgender-Personen in Karnataka und Tamil Nadu Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten, ohne ihre auf der Kastenzugehörigkeit basierenden Ansprüche zu verlieren.

Darüber hinaus hat das Stipendienprogramm von SAATHII zwei Aktivist*innen in die Lage versetzt, in ihren lokalen Gemeinschaften einen transformativen Wandel herbeizuführen. Zu ihren Aufgaben gehören die Sensibilisierung von Gesundheitspersonal für die Herausforderungen, mit denen Trans-Personen konfrontiert sind, die Erleichterung des Zugangs zu grundlegenden Leistungen wie Renten, Ernährungssicherheit und Personalausweisen sowie die erfolgreiche Fürsprache für die Abschaffung invasiver Vorsorgeuntersuchungen für Trans-Männer. Diese Bemühungen tragen dazu bei, die Praxis im Gesundheitswesen an internationale Standards anzupassen und Würde und Gleichberechtigung für Trans-Personen zu gewährleisten.

6. Unterstützung von intersexuellen, transsexuellen und geschlechtsnonkonformen Flüchtlingen aus Uganda

Mit Mitteln aus dem Ostafrika-Aufruf von GiveOut, die über den International Trans Fund bereitgestellt wurden, wurde der Refugee Trans Initiative (RTI) ein Zuschuss gewährt, um intersexuelle, transsexuelle und geschlechtsnonkonforme Flüchtlinge zu unterstützen, die nach der Verabschiedung des Anti-Homosexualitätsgesetzes aus Uganda nach Kenia kamen. Diese Nothilfe umfasste Nahrungsmittelhilfe, Sicherheitsschulungen und Rechtsbeistand, um die Sicherheit, das Wohlergehen und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen für diese schutzbedürftigen Menschen zu gewährleisten.

7. Wegweisender juristischer Erfolg für die Rechte von LGBTQI-Flüchtlingen in Armenien

„Pink Armenia“ hat einen bahnbrechenden juristischen Erfolg erzielt und dazu beigetragen, dass Salman Mukayev, einem aus Tschetschenien geflohenen LGBTQI-Mann, Asyl gewährt wurde. Das Verwaltungsgericht von Armenien entschied, dass Mukayev, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung Verfolgung und Folter ausgesetzt war, der Flüchtlingsstatus zuerkannt werden muss. Diese Entscheidung, die durch die rechtlichen Bemühungen von „Pink Armenia“ unterstützt wurde, schafft einen bedeutenden Präzedenzfall für den Schutz von LGBTQI-Personen vor Verfolgung und bekräftigt das Engagement Armeniens für die Wahrung der Menschenrechte, insbesondere für schutzbedürftige Gemeinschaften, die in ihren Heimatländern Bedrohungen ausgesetzt sind.

8. Gründung der ersten von Trans-Personen geführten Organisation in der Mongolei

Das mongolische LGBT-Zentrum verändert die Situation der Trans-Community des Landes grundlegend, indem es im Rahmen seines „Trans Leadership Programme“ – einer sechsmonatigen Initiative zum Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Führung, Interessenvertretung und Gemeinschaftsbildung – Trans-Personen befähigt, eine führende Rolle zu übernehmen. In diesem Jahr gipfelte das Programm in der Gründung von „Trans for Unity“, der ersten von Trans-Personen geführten Organisation in der Mongolei. „Trans for Unity“ wurde von Absolvent*innen des Leadership-Programms gegründet und wird von ihnen geleitet. Die Organisation setzt sich direkt für die Belange der Trans-Community in der Mongolei ein. Mit der kontinuierlichen Unterstützung des LGBT-Zentrums hat sich „Trans for Unity“ schnell zu einem Eckpfeiler der von Trans-Personen geführten Interessenvertretung in der Mongolei entwickelt und inspiriert andere mongolische Trans-Personen dazu, an ihr Potenzial zu glauben, Veränderungen zu bewirken.

9. Wirtschaftliche Argumente für die Einbeziehung von LGBTQI-Personen

Neue Initiativen im Westbalkan, in der Türkei und in Südafrika machen die wirtschaftlichen Kosten deutlich, die durch die Ausgrenzung von LGBTQI-Gemeinschaften entstehen. LGBTI ERA hat in Zusammenarbeit mit der Weltbank Studien in Nordmazedonien und Serbien durchgeführt, aus denen hervorgeht, dass die Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität (SOGIE) in beiden Ländern zu jährlichen wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von 0,51 TP3T des BIP führt.

Unterdessen untersuchte eine Studie der “The Other Foundation” in Südafrika die wirtschaftlichen Chancen, die sich ergeben, wenn LGBTQI-Personen als Marktsegment anerkannt werden. Die Ergebnisse zeigten, dass der LGBTQI-Markt in Südafrika jährlich auf mindestens 250 Milliarden Rand (etwa $10,75 Milliarden US-Dollar) geschätzt wird. In dem Bericht heißt es: „Der Wert des LGBTQI-Marktes ist ein Beleg für das wirtschaftliche Potenzial, das erschlossen werden könnte, wenn Hindernisse für eine uneingeschränkte Teilhabe beseitigt würden und eine tolerantere gesellschaftliche Haltung vorherrschte.“

10. Wissensaustausch zu LGBTQI-Rechten und Klimawandel

GiveOut veranstaltete ein Forum zum Wissensaustausch, um die internationale Zusammenarbeit zu fördern und Aktivisten sowie Forschern einen Raum zum Austausch und zum Erlernen von Strategien zu bieten. Führungskräfte von LGBTQI-Organisationen aus aller Welt sowie zwei auf diesem Gebiet spezialisierte Forscher kamen zusammen, um ihre Arbeit an der Schnittstelle zwischen LGBTQI-Rechten und der Klimakrise vorzustellen und ihre Prioritäten, Hindernisse bei der Mittelbeschaffung sowie die Rolle zu erörtern, die Geldgeber mit Bezug zu Klimafragen spielen sollten. Die Ergebnisse dieses Forums werden in ein Treffen mit LGBTQI-Aktivisten sowie Geldgebern aus den Bereichen Klima und Umwelt Anfang 2025 einfließen.

11. Neue Informationsquelle zur Unterstützung von intersexuellen Flüchtlingen und Asylsuchenden gestartet

Intersexuelle Flüchtlinge stehen vor besonderen Herausforderungen, die oft durch Diskriminierung, Ausgrenzung und schädliche medizinische Praktiken – darunter auch die Genitalverstümmelung von Intersexuellen (IGM) – noch verschärft werden. Als Reaktion darauf hat VIMÖ, eine von Intersexuellen geführte österreichische Organisation, ein Programm zur Unterstützung von intersexuellen Asylsuchenden ins Leben gerufen, das vom Intersex Human Rights Fund, einem Förderpartner von GiveOut, finanziert wird. In Zusammenarbeit mit OII Europe wurde das „OII Europe Refugees & Asylum Seekers Toolkit“ veröffentlicht – eine Ressource, die Fachkräften im Asylsystem helfen soll, die spezifischen Bedürfnisse von intersexuellen Geflüchteten zu verstehen und darauf einzugehen. 

12. Unterstützung für vertriebene LGBTQI-Personen im Libanon

Helem, die erste LGBTQI-NGO im Libanon, bietet seit langem über ihr Gemeindezentrum sichere Räume und lebenswichtige Hilfsangebote für LGBTQI-Personen an. In der Erkenntnis, dass LGBTQI-Personen in Kriegs- und Krisenzeiten unverhältnismäßig stark betroffen sind, hat Helem seine Bemühungen ausgeweitet, um lebenswichtige humanitäre Hilfe zu leisten. Dazu gehören die Bereitstellung von Notunterkünften, Lebensmitteln und lebensnotwendigen Hilfsgütern für LGBTQI-Personen, die durch die eskalierende Gewalt in der Region vertrieben wurden.

Vielen, vielen Dank

Ohne euch – unsere Gemeinschaft von Unterstützern – wäre diese Arbeit schlichtweg nicht möglich. Ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die in diesem Jahr gespendet haben. 

Mit Blick auf die Zukunft laden wir Sie herzlich ein, gemeinsam mit uns die weltweite Bewegung für die Menschenrechte von LGBTQI-Personen mit GiveOut weiterhin zu unterstützen, damit LGBTQI-Personen überall frei und in vollen Zügen leben können. 

Allen, die Weihnachten feiern, wünschen wir frohe und erholsame Feiertage – auf ein weiteres Jahr der Solidarität mit LGBTQI-Aktivisten auf der ganzen Welt!. 

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