Von der Interessenvertretung bis zum Handeln: Die Partner von GiveOut setzen sich für die Rechte von Trans-Personen ein

Die Debatte um Trans-Rechte hat sich in den letzten Jahren verschärft, wodurch Transgender-Personen oft in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Diskussion gerückt sind, während Anti-Gender-Bewegungen an Fahrt gewinnen. Trans-Personen sehen sich weiterhin mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, darunter rechtliche Diskriminierung, eingeschränkter Zugang zur Gesundheitsversorgung und soziale Ausgrenzung. Dank Ihrer Unterstützung treiben die Förderpartner von GiveOut soziale, politische und kulturelle Veränderungen voran, die Trans-Personen stärken und ihre Menschenrechte fördern. Von Maßnahmen zum Aufbau von Gemeinschaften bis hin zu strategischer Rechtsberatung setzen sich die Partner von GiveOut dafür ein, eine Welt zu schaffen, in der alle Trans-Personen gleichberechtigt und in Würde leben können.

Mongolei: Förderung zukünftiger Trans-Führungskräfte

In der Mongolei sehen sich Transpersonen mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, darunter gesellschaftliche Vorurteile, eingeschränkter Zugang zur Gesundheitsversorgung und fehlender rechtlicher Schutz. In Anerkennung dieser Hindernisse hat das Mongolische LGBT-Zentrum die Arbeit mit der mongolischen Trans-Community in den Vordergrund gestellt und so ein inklusiveres Umfeld geschaffen, in dem Transpersonen die Möglichkeit erhalten, eine führende Rolle zu übernehmen. Im vergangenen Jahr startete das Zentrum sein erstes „Trans Leadership Programme“, eine sechsmonatige Initiative, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung von Führungsqualitäten, Interessenvertretung und dem Aufbau von Gemeinschaftsgefühlen innerhalb der Trans-Community liegt.

Das „Trans Leadership Programme“ bot mehr als nur eine Grundausbildung; es schuf einen sicheren Raum, in dem die Teilnehmenden Selbstvertrauen aufbauen, wichtige Fähigkeiten für ihr Engagement entwickeln und wirksame Strategien zur Bewältigung struktureller Herausforderungen erlernen konnten. Durch Workshops zu den Themen politische Interessenvertretung, Projektmanagement und Mobilisierung von Gemeinschaften sowie durch individuelle Betreuung erhielten die Teilnehmenden wertvolle Einblicke in die Organisation von Basisinitiativen im schwierigen Umfeld der Mongolei.

In diesem Jahr gipfelte der Erfolg des Programms in der Gründung von „Trans for Unity“, der ersten von Trans-Personen geführten Organisation in der Mongolei. „Trans for Unity“ wurde von Absolvent*innen des Leadership-Programms gegründet und wird von ihnen geleitet. Die Organisation setzt sich direkt für die Belange der mongolischen Trans-Community ein. Dank der kontinuierlichen Unterstützung durch das Mongolia LGBT Centre hat sich „Trans for Unity“ schnell zu einem Eckpfeiler der von Trans-Personen geleiteten Interessenvertretung in der Mongolei entwickelt und inspiriert andere mongolische Trans-Personen dazu, an ihr Potenzial zu glauben, Veränderungen zu bewirken.

Eine Absolventin des Programms, die mittlerweile zum Kernteam von “Trans for Unity” gehört, berichtete: „Dieses Programm hat mir eine Stimme gegeben, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe. Wir haben nicht nur gelernt, für unsere Rechte einzutreten, sondern auch, etwas Bleibendes aufzubauen – etwas, auf das sich andere in Zukunft stützen können.“

Die Gründung von „Trans for Unity“ stellt einen Meilenstein für die Trans-Bewegung in der Mongolei dar und sorgt für direkte Vertretung und Solidarität. Durch Initiativen wie das „Trans Leadership Programme“ trägt das Mongolische LGBT-Zentrum zum Aufbau einer widerstandsfähigen und inklusiven Trans-Bewegung in der Mongolei bei und zeigt damit, dass Basisaktivismus mit der richtigen Unterstützung einen bedeutenden sozialen Wandel bewirken kann.

Tschechien: Ein bahnbrechender Sieg für die Rechte von Transpersonen

In der Tschechischen Republik hat „Transparent“, ein Förderpartner von GiveOut, Gilbert Noam, einen Transmann, in seinem Kampf für das Recht auf rechtliche Anerkennung seines Geschlechts ohne die Auflage einer Zwangssterilisation unterstützt. Gilberts Erfahrung verdeutlicht die systemischen Hindernisse, mit denen Transgender-Personen in diesem Land konfrontiert sind, wo Trans-Personen sich einer Sterilisation – einem Eingriff, der die Fortpflanzungsfähigkeit dauerhaft aufhebt – unterziehen müssen, bevor ihre Geschlechtsidentität rechtlich anerkannt werden kann.

Für Gilbert stellte die Sterilisationspflicht nicht nur eine persönliche Verletzung dar, sondern auch ein bedeutendes Menschenrechtsproblem. Auf der Suche nach Unterstützung wandte er sich an „Transparent“, das ihn mit Hilfe des ehrenamtlich tätigen Rechtsexperten Petr Kalla durch das komplexe Rechtsverfahren begleitete. Gemeinsam arbeiteten sie unermüdlich daran, seinen Fall vor das tschechische Verfassungsgericht zu bringen. Transparent sensibilisierte zudem die Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten, denen Transpersonen ausgesetzt sind, und förderte den wichtigen Dialog mit Gesetzgebern, medizinischen Fachkräften und der Öffentlichkeit, um Verständnis und Empathie zu schaffen.

“Das mögen zwar nur Kleinigkeiten sein”, meinte Gilbert, “aber sie können sich leicht summieren. Wenn ich meine Dokumente ohne einen ungewollten medizinischen Eingriff ändern könnte, hätte ich mehr Privatsphäre und mehr Entscheidungsfreiheit darüber, wem ich meine persönlichen Daten mitteile.”

Anfang 2024 entschied das Verfassungsgericht nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zugunsten von Gilbert und erklärte die Zwangssterilisation zur Anerkennung der Geschlechtsidentität für verfassungswidrig. Das Gericht erkannte an, dass eine solche Auflage die Menschenwürde und die Selbstbestimmung verletze, was einen bedeutenden Sieg für die Rechte von Transpersonen in Tschechien darstellte. Dieses wegweisende Urteil veränderte nicht nur Gilberts Leben, sondern schuf auch einen rechtlichen Präzedenzfall für künftige Gesetzgebung, da das Gericht den Gesetzgeber anwies, bis Juni 2025 ein neues Gesetz zur Geschlechtsanerkennung zu verabschieden, das eine Sterilisation ausschließt.

Dieser hart erkämpfte Sieg spiegelt das unermüdliche Engagement von „Transparent“ wider, das Gilbert nicht nur rechtliche Unterstützung, sondern auch psychologische Begleitung bot, um mit dem Gerichtsurteil umzugehen. Die Arbeit von Transparent mit Gilbert hat die Rechte von Transpersonen in Tschechien vorangebracht und fördert einen inklusiveren Rechtsrahmen, der die Grundsätze der körperlichen Selbstbestimmung und der persönlichen Freiheit stärkt. Gilberts Weg und das Engagement von Transparent legen den Grundstein für einen langfristigen Wandel und befähigen unzählige andere Menschen, Gerechtigkeit einzufordern und ein Leben in Würde zu führen.

Karibik: Stärkung der Klimaresilienz für Trans-Gemeinschaften

Transgender-Personen in der Karibik sind mit allgegenwärtiger Diskriminierung, Gewalt und Hindernissen beim Zugang zur Justiz konfrontiert – Herausforderungen, die durch die häufigen Klimakatastrophen in der Region noch verschärft werden. Trotz der Anfälligkeit der Karibik für Hurrikane, Überschwemmungen und andere klimabedingte Ereignisse gibt es bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen dazu, wie sich diese Krisen konkret auf Trans-Gemeinschaften auswirken.

Das United Caribbean Trans Network (UCTRANS) schließt diese Lücke durch Forschungsarbeiten, die untersuchen, wie sich der Klimawandel speziell auf Trans-Personen in der Karibik auswirkt. Ihre Studien zeigen, dass Trans-Personen einer erhöhten Gefährdung ausgesetzt sind, darunter ein beeinträchtigter Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung und lebensrettenden Medikamenten im Katastrophenfall. Wirtschaftliche Unsicherheit zwingt viele dazu, in hochwassergefährdeten oder anderweitig gefährlichen Gebieten zu leben, wobei viele unter prekären Beschäftigungsverhältnissen oder Obdachlosigkeit leiden, was ihre Gefährdung durch extreme Wetterereignisse, die die Region regelmäßig heimsuchen, noch verschärft.

Als Reaktion darauf setzt sich UCTRANS an vorderster Front dafür ein, das Klimabewusstsein in Trans-Gemeinschaften zu stärken und sich für politische Maßnahmen einzusetzen, die sie in Notfällen schützen. Ihre Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels hat gezeigt, dass Trans-Personen aufgrund sozialer Benachteiligungen, mangelnder Gesundheitsvorsorge und eingeschränkten Zugangs zu trans-kompetenter medizinischer Versorgung besonders anfällig für nicht übertragbare Krankheiten sind. Viele Trans-Personen in der Karibik haben berichtet, dass es nach Naturkatastrophen zu Unterbrechungen bei grundlegenden Gesundheitsleistungen, wie beispielsweise der Hormonbehandlung, gekommen ist.

UCTRANS setzt sich für eine umfassende karibische Strategie zur Gesundheit von Transpersonen ein, um diese Probleme anzugehen. Die Organisation arbeitet eng mit Regierungen und Interessengruppen zusammen, um politische Maßnahmen zu entwickeln, die Transpersonen vor Diskriminierung schützen, und um rechtsbasierte Programme und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die gesundheitliche Chancengleichheit für die Trans- und nicht-binären Gemeinschaften gewährleisten.

Mit Initiativen wie diesen leistet UCTRANS Pionierarbeit für einen Ansatz der Klimagerechtigkeit, der die besonderen Bedürfnisse der Trans-Gemeinschaften in der Karibik in den Mittelpunkt stellt und sicherstellt, dass sie bei den Maßnahmen der Region zur Bewältigung der Klimakrise nicht zurückgelassen werden.

Globale Wirkung durch lokales Handeln

Von der Tschechischen Republik bis in die Karibik – diese Geschichten verdeutlichen, welch tiefgreifenden Einfluss die Förderpartner von GiveOut weltweit ausüben. Indem sie kritische Versorgungslücken schließen, Menschen durch Bildung und Führungskompetenzen stärken und den rechtlichen Schutz vorantreiben, setzen sich diese Organisationen für eine Welt ein, in der Trans-Personen in Würde, Selbstbestimmung und Respekt leben können. Mit Ihrer Unterstützung verändern diese Förderpartner nicht nur heute Leben, sondern ebnen auch den Weg für eine Zukunft voller Gerechtigkeit und Inklusion für kommende Generationen.

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