Gilberts Weg zur Gerechtigkeit unterstützen – Eine Geschichte des Wandels

Gilbert Noam, ein Transmann aus der Tschechischen Republik, wollte sich keiner Sterilisation unterziehen müssen, um sein Geschlecht rechtlich anerkennen zu lassen. Mit Hilfe der Transgender-Rechtsorganisation Trans*parent nahm er den Kampf gegen das Gesetz auf und erreichte etwas Außergewöhnliches. 

In der Tschechischen Republik müssen sich Transgender-Personen einer Sterilisation unterziehen, d. h. ihre Fortpflanzungsfähigkeit muss dauerhaft aufgehoben werden, bevor ihre Geschlechtsidentität rechtlich anerkannt werden kann. Für Gilbert ging diese Auflage weit über das Persönliche hinaus: Sie stellte eine Verletzung seiner Menschenrechte dar.

“Das mögen zwar nur Kleinigkeiten sein, aber sie können sich schnell summieren”, meint Gilbert. “Wenn ich meine Dokumente ohne einen unerwünschten medizinischen Eingriff ändern könnte, müsste ich mir nicht bei jeder Situation, in der ich mich ausweisen muss, Sorgen machen, und ich hätte ein größeres Gefühl von Privatsphäre und Selbstbestimmung darüber, wem ich solche persönlichen Informationen preisgebe.”

Im Jahr 2018 wandte sich Gilbert an Trans*parent, die ihn mit Unterstützung des ehrenamtlich tätigen Rechtsexperten Petr Kalla durch das Rechtsverfahren begleiteten. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass sein Fall schließlich vor dem tschechischen Verfassungsgericht verhandelt wurde. Trans*parent schärfte zudem das Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten, denen Trans-Personen ausgesetzt sind, und förderte den Dialog zwischen Gesetzgebern, medizinischen Fachkräften und der Öffentlichkeit.

Anfang 2024 entschied das Verfassungsgericht nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zugunsten von Gilbert und erklärte die Zwangssterilisation zur Geschlechtsanerkennung für verfassungswidrig. Das Gericht erkannte an, dass eine solche Vorschrift die Menschenwürde verletze. Dieses wegweisende Urteil schuf einen bedeutenden Rechtspräzedenzfall und verpflichtete den Gesetzgeber, bis Juni 2025 ein neues Gesetz zur Geschlechtsanerkennung zu verabschieden, das eine Sterilisation ausschließt.

Der Sieg war nicht leicht zu erringen. Neben der Koordination des Falles und der rechtlichen Unterstützung stand Trans*parent Gilbert nach dem Urteil auch psychologisch zur Seite und sorgte dafür, dass Gilbert einen sicheren, bestärkenden Raum hatte, um alle auftretenden Herausforderungen zu meistern.

Durch Gilberts Fall trug „Trans*parent“ dazu bei, Einstellungsänderungen herbeizuführen und einen inklusiveren Rechtsrahmen zu fördern – nicht nur für Gilbert, sondern für alle Transgender-Personen in der Tschechischen Republik. Das Urteil stellt einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zu einem besseren Schutz der Rechte von Transgender-Personen dar und bekräftigt die Grundsätze der körperlichen Selbstbestimmung und der persönlichen Freiheit, von denen in Zukunft unzählige andere Menschen profitieren werden. 

“Als mir vor etwa zehn Jahren klar wurde, dass ich mich keiner Sterilisation unterziehen wollte, hoffte ich, dass sich die Situation vielleicht ändern würde”, erinnert sich Gilbert. “Das ist nicht geschehen, und inzwischen haben immer mehr Länder in ganz Europa diese Vorschrift abgeschafft. Ich hatte keine besondere Lust, vor Gericht zu gehen, aber es war eine Möglichkeit, zu einem Wandel beizutragen und mitzuerleben, wie er sich vollzieht.” 

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